Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken e.V.

Der „Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken“ wurde 1994 gestiftet. Den Preisgründerinnen und Preisgründern aus Politik, Wissenschaft und Kultur war und ist daran gelegen, der 1933 aus Deutschland vertriebenen, deutsch-amerikanischen Denkerin einen angemessenen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung zu schaffen.
Schon in den Freiheitsrevolutionen der Jahre 1989/1990 hatte das Denken Arendts überraschende Aktualität gewonnen. Seither hat die unberechenbare Dynamik einer multipolaren Welt viele Fragen aufgeworfen, auf die es keine Antworten gibt. Ein „Denken ohne Geländer“ (Arendt) ist uns aufgegeben, das sich immer wieder der Frage stellt, wie unsere Welt zu verstehen ist – und das neue Fragen aufwirft:

Wie kaum eine andere Persönlichkeit in der langen Tradition des politischen Denkens hat Hannah Arendt öffentlich darüber nachgedacht, wie der politische Raum entsteht und wie und wodurch er zerstört wird. Auf der Suche danach, wo die Ursachen der totalitären Herrschaft im 20. Jahrhundert liegen, hat sie offengelegt, wie moderne Gesellschaften den politischen Raum, in dem Freiheit gestaltet wird, zerstören und auf diesem Wege totalitäre Herrschaftspraktiken den Weg ebnen. Dabei hat sie immer wieder auf die Fähigkeit der Bürgerinnen und Bürger verwiesen, politische Macht direkt zu bilden und damit den politischen Raum zu erneuern.
Vor allem aber hat sie uns Fragen hinterlassen, die uns selbst gestellt sind und die wir beantworten müssen:
Worin liegt das Erbe, das uns die Antike und die neuzeitlichen Freiheitsrevolutionen, aber auch Weltkriege und totalitäre Herrschaft hinterlassen haben? Wie muss sich der politische Liberalismus erneuern, um den wirtschaftlichen Zwängen, die den Globus in die Selbstzerstörung zu treiben scheinen, ein Handeln in Freiheit abzugewinnen? Wo liegt die unkündbare Verantwortung der BürgerInnen für ihr politisches Gemeinwesen?

Der Preis würdigt öffentliche Interventionen, in denen Arendtsche Fragen an die Gegenwart herangetragen, neue Verständnisweisen für politische Geschehnisse erprobt werden und die schließlich dazu beitragen, die politische Handlungsfähigkeit der Bürgerinnen und Bürger zu stärken.

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine internationale Jury. Das Preisgeld von 10.000 € wird von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Senat der Freien Hansestadt Bremen gestiftet.

Verein „Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken e.V.“

Der rechtliche und politische Träger des Preises ist der Verein Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken mit Sitz in Bremen. Der Verein, der von der Heinrich-Böll-Stiftung (Bremen/Bund) und der Stadt Bremen maßgeblich gefördert wird, wird von einem vierköpfigen Vorstand vertreten. Neben der jährlichen Preisvergabe hat der Verein es sich zur Aufgabe gemacht, durch Konferenzen, Veranstaltungen und Publikationen an der öffentlichen Meinungsbildung mitzuwirken.

Mitglieder des Vorstandes:
Prof. Antonia Grunenberg
Peter Rüdel
Ole Sören Schulz
Prof. Eva Senghaas-Knobloch

Jury:
Prof. Antonia Grunenberg (Berlin/Oldenburg)
Prof. Grit Straßenberger (Berlin/Bonn)
Prof. Thomas Alkemeyer (Berlin/Oldenburg)
Prof. Michael Daxner (Potsdam)
Prof. Christian Volk (Berlin)
Prof. Catherine Colliot-Thélène (Rennes, Frankreich)
Dr. Monika Tokarzewska (Torun, Polen)