370 Riverside Drive – 730 Riverside Drive. Hannah Arendt und Ralph Ellison, 17 Hinweise

Marie Luise Knott stellt ihr Buch vor

am 29. September um 19 Uhr im Institut Français, Contrescarpe 19

Hannah Arendt, die große politische Theoretikerin, würde in den letzten Jahren auch kontrovers diskutiert, nicht zuletzt wegen ihrer schon 1959, bei Erscheinen äußerst umstrittenen Kritik an der gesetzlich erzwungenen Integration schwarzer Schülerinnen und Schüler in „weiße“ Schulen. Während Arendt die Einwände ihrer liberalen Freunde damals abtat, stieß sie acht Jahre später, 1965, in einem Essayband auf eine Kritik des afroamerikanischen Schriftstellers Ralph Waldo Ellison, welche sie beschäftigte. So antwortete sie ihm in einem kurzen Brief, dankte für die Kritik und fuhr fort, sie habe die „nackte Gewalt“ gegen Schwarze bislang nicht bedacht und sein „Ideal des Opfers“ jetzt erst verstanden.

Marie Luise Knott ist es gelungen, in 17 Miniessays eine Biographie dieses Briefes zu skizzieren. Sie recherchiert die Vorgeschichte der Debatte ebenso wie die Frage, welche Folgen dieser Brief im späteren Werk der Denkerin hatte. Eine historische Studie von großer Aktualität, etwa, wenn Knott schreibt: „Wo blockierte politische und soziale Kämpfe durch Kulturkämpfe kompensiert werden, erobern Identitäten den Kopf.“

Eine Veranstaltung des Hannah Arendt Preis für politisches Denken, der Heinrich Böll Stiftung Bund/Bremen und des Institut Français.


Copyright Privat

Freiheit in der (digitalen) Gegenwart

am: 16.09.2022
von: 19.00 – 21.00 Uhr

Ort: »Raum im Hof«, Fehrfeld 61, 28203 Bremen

Die politischen und gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung und Algorithmisierung werden weiterhin kontrovers diskutiert. Kritische Stimmen warnen vor einer zunehmenden Entpolitisierung und Entdemokratisierung politischer Gemeinwesen beziehungsweise dem Zerfall politischer und öffentlicher Freiheitsräume. In diesem Zusammenhang ist angesichts der ausufernden und intransparenten Speicherung persönlicher Daten, – nicht zuletzt verübt durch private WirtschaftsakteurInnen – , von gezielten »Übergriffen« auf die Persönlichkeits- und Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger die Rede. Während den NutzerInnen digitaler Apparate, wie Smartphones, Laptops oder Tablets, die Freiheit unbegrenzter (Partizipations-)Möglichkeiten und eine unbeschränkte Informations- und Wahlfreiheit suggeriert werde, hätten sich, so einige KritikerInnen des Digitalen, neue Anpassungs- und Abhängigkeitsformen beziehungsweise neue Unfreiheiten, Entmündigungen und (Selbst-)Unterwerfungen herausgebildet. Oder handelt es sich bei all diesen Diagnosen lediglich um eine »altbekannte« und »übertriebene« Technikskepsis, welche die freiheitlichen und emanzipatorischen Potenziale neuer digitaler Technologien übersieht?

Ist die Autonomie und freie Selbstbestimmung des Menschen denn tatsächlich so gefährdet, wie mancherorts behauptet wird? Wie beeinflussen digitale Technologien die freie Meinungsbildung, das Urteilsvermögen und nicht zuletzt die politische Handlungsfähigkeit der Bürgerinnen und Bürger? »Steuern« Algorithmen unsere Wahrnehmung der Realität beziehungsweise unser Weltverständnis? Welche Rückwirkungen auf freiheitliche und plurale Debattenkulturen bestehen? Inwieweit ist die allgegenwärtige Digitalisierung politisch »steuerbar« oder zumindest »gestaltbar«; und zwar zugunsten freier und selbstbestimmter Bürgerinnen und Bürger? Und »last but not least«: Wie und wodurch konstituiert sich politische Freiheit in der (digitalen) Gegenwart?

Wir laden herzlich zu einer gemeinsamen Diskussion über diese und andere Fragen ein.

Eingeleitet wird der Workshop durch einen Beitrag (in Präsenz) von Peter Schmitt, Philosoph, Musiker und Autor des Buches: Postdigital. Medienkritik im 21. Jahrhundert.

Bitte unbedingt anmelden unter:

ruedel@uni-bremen.de

Eine Kooperation des Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken und der Heinrich Böll Stiftung Bund/Bremen.

Am 6. Mai 2022 ist die französische Philosophin Cathérine Colliot-Thélène nach schwerer Krankheit in Paris verstorben. Wir haben mit ihr eine sehr geschätzte Kollegin verloren und sind traurig.

Wie wenige andere kannte sie sich sowohl in der französischen wie in der deutschen politischen Philosophie und in den aktuellen politischen Streitfragen aus. Ihre Bücher sind sowohl auf deutsch wie auf französisch erschienen.

Daher hatten wir sie nach ihrer Zeit als Direktorin des Centre Marc Bloch in Berlin gebeten, in der internationalen Jury des Hannah Arendt-Preises mitzuarbeiten. Von ihrem Kenntnisreichstem und ihrer Belesenheit haben wir alle profitiert.

Cathérine Colliot-Thélène hinterlässt eine Leere, die schwer sein wird zu füllen. Wir werden ihrer gedenken, wenn sie uns fehlen wird bei unserer Suche nach neuen Preisträgerinnen und Preisträgern des Hannah Arendt-Preises für politisches Denken.

(Über-)Leben und das Versprechen der Freiheit. Nation – Imperium – Zivilgesellschaft

am 28. Mai 2022 von 15 – 18 Uhr
Institut Français, Bremen, Contrescarpe 19

Prägnant bemerkte die letztjährige Preisträgerin Jill Lepore in ihrer im Dezember 2021 vorgetragenen Festrede: „Das Haus, in dem die Freiheit wohnt, wird von den Gespenstern der Grausamkeiten, Massaker und Gräueltaten heimgesucht.“ In dem derzeitigen (imperialen) Angriffskrieg Russlands gegen die ukrainische Nation steht neben dem nackten Überleben der Menschen auch die Verteidigung politischer Freiheiten und das republikanische Selbstbestimmungsrecht der Bürgerinnen und Bürger auf dem Spiel. Doch wie lassen sich freiheitliche Grundordnungen und starke unabhängige Zivilgesellschaften angesichts autoritärer und brutaler Herrschaftsbestrebungen bewahren? Wie und wodurch reaktiviert sich der politische „Wunsch nach Freiheit“ (Hannah Arendt) in einer Welt, in der die internationalen Machtverhältnisse und nationalen Ordnungspolitiken im Umbruch sind?

Wir wollen zu diesem thematisch aktualisierten Kolloquium, das ursprünglich am Folgetag der Verleihung des Hannah-Arendt-Preises 2021 an Jill Lepore stattfinden sollte, einladen.

Es diskutieren:
Jill Lepore, US-amerikanische Historikerin, Essayistin, Professorin für amerikanische Geschichte an der University of Harvard und Hannah-Arendt-Preisträgerin 2021
Juri Andruchowytsch, ukrainischer Lyriker, Essayist, Romanautor, Übersetzer Theatermacher und Aktionskünstler sowie Hannah-Arendt-Preisträger 2014
Etienne Balibar, französischer Philosoph, Gastprofessor am Centre for Research in Modern European Philosophy an der Kingston University und Hannah-Arendt-Preisträger 2017
Diskutanten: Karol Sauerland, Warschau und Thomas Alkemeyer, Oldenburg

Moderation: Antonia Grunenberg (Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken e.V.)

Anmeldung bitte an: ruedel@uni-bremen.de

Eine Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Bund/Bremen und dem Institut Français Bremen

Impfpflicht?

Die Diskussion fand am 3. Februar um 19:00 im Institut Français statt und kann hier nachgehört werden.

Bis Ende des ersten Quartals soll der Bundestag über eine allgemeine Impfpflicht entscheiden.
Lange war eine Entscheidung quer zu allen Parteizugehörigkeiten nicht so kontrovers.
Es gibt Gründe für eine Impfpflicht. Die diese wollen, sind nicht die Wegbereiter einer „Coronadiktatur“!
Es gibt Grunde sich nicht impfen zu lassen. Die, die dies nicht wollen, sind nicht gleich „Rechte“ und „Coronaleugner“.
Schlecht ist, dass es auf beiden Seiten extreme Positionen gibt. Das Vokabular auf beiden Seiten diskreditiert sich häufig selbst mit „nationalsozialistischen“ Zuschreibungen. Mit denen lohnt es sich nicht zu diskutieren.
Wir glauben aber und hoffen, dass es für eine Mehrheit auf beiden Seiten möglich ist, respektvoll darüber zu streiten.
Wir wollten in kleinem Rahmen zu dieser Debatte einladen.
Medizinische, gesellschaftliche, politische, verfassungsrechtliche … Aspekte sollten in der Diskussion zur Sprache kommen.
Es diskutierten:
Kirsten Kappert Gonther, stell. Vorsitzende im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages
Ute Treptow, Patientenvertreterin im Gemeinsamen Bundesausschuss
Bengt Beutler, Rechtswissenschaftler
Jochen Hering, Impfskeptiker und
Hajo Zeeb, Epidemiologe
Idee und Gesprächsleitung: Phanie Bluteau, Institut Français und Peter Rüdel, Hannah Arendt Preis für politisches Denken e.V.

Jill Lepore ist Hannah-Arendt-Preisträgerin für politisches Denken 2021

Am Freitag, den 3. Dezember 2021 um 18:00 überreichen der Vorstand des „Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken e.V.“, der Bremer Senat und die Heinrich-Böll-Stiftung den „Hannah Arendt-Preis für politisches Denken 2021“ im Bremer Rathaus an die amerikanische Historikerin Jill Lepore.

Begrüßung durch den Verein Hannah Arendt Preis für politisches Denken e.V.: Eva Senghaas-Knobloch

Für die Preisgeber: Maike Schäfer, Bürgermeisterin, für die Freie Hansestadt Bremen

Für die Heinrich Böll Stiftung: Ellen Ueberschär

Jurybegründung: Antonia Grunenberg

Vortrag: Jill Lepore

Laudatio: Roger Berkowitz

Gemeinsame Preisübergabe  im Rathaus

Die Jury würdigt Jill Lepore als herausragende Wissenschaftlerin, die es vermag, die amerikanische Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen und zu beleuchten. Jill Lepore präsentiert die Geschichte der Vereinigten Staaten nicht einseitig als eine Geschichte mächtiger Regierungen, die zu jeweils verschiedenen Zeiten über die BürgerInnen herrschen, Kriege führen oder politische Ideen vertreten; sondern als eine Geschichte von Konflikten und Dynamiken zwischen diversen Gruppen und Fraktionen, z.B. den Engländern, anderen Kolonialmächten, den versklavten Menschen, Frauen, den verschiedenen ethnischen Gruppen der Siedler, politischen Eliten etc. pp.

Eindrucksvoll und sehr anschaulich legt Jill Lepore dar, wie alle Beteiligten mit ihren unterschiedlichen Interessen und Wünschen sich in einem Fluss von Eventualitäten befinden; wie sich Individuen und Gruppierungen freiwillig und unfreiwillig in politische Kämpfe verstricken, wie wirtschaftliche Interessen und politische Bestrebungen mit politischen Vorstellungen kollidieren – und wie die Abschaffung der Sklaverei das maßgebliche und zugleich trennende Element der amerikanischen Geschichte ist. Überdies zeigt Jill Lepore auf, inwiefern die Nachwirkungen der Amerikanischen Revolution die amerikanische Politik bis heute beeinflussen.

Nach der Überzeugung der Jury gelingt es der Historikerin Jill Lepore eine politische und ganzheitliche Darstellung der amerikanischen Geschichte zu präsentieren; nicht etwa, um gleichsam „Mastermind-Urteile über das Vergangene zu fällen, sondern um die Gegenwart für eine breite Öffentlichkeit verständlicher werden zu lassen“.

Jill Lepore ist Hochschullehrerin für Geschichte an der University of Harvard und Essayistin.

Der Hannah-Arendt-Preis wird von der Stadt Bremen und der Heinrich-Böll-Stiftung vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird an Personen verliehen, die mit einer mutigen Intervention das „Wagnis Öffentlichkeit“ annehmen.

Foto:

Jill Lepore is the David Woods Kemper ’41 Professor of American History at Harvard University. She is pictured along the gates of Harvard Yard. Stephanie Mitchell/Harvard Staff Photographer

Photo Credit: Stephanie Mitchell/Harvard University