Cohn-Bendit-Film über Jüdischsein: Reise nach Israel

Regie: Niko Apel, Frankreich 2020, Dokumentation, 73 Min

Fr., 05. Nov. 2021 um 19:30 Uhr
im Institut Français, Contrescarpe 19, Bremen

Anmeldung erforderlich an: ruedel@uni-bremen.de

Daniel Cohn-Bendit, der Studentenführer von einst und spätere Grünen-Politiker, hat sich sein Leben lang mit seiner europäischen Identität beschäftigt, sie gelebt. Wie aber definiert und reflektiert er – der in der 68er-Bewegung als „deutscher Jude“ bezeichnete – seine jüdische Identität? Ist es der von Sartre postulierte Antisemitismus, der ihn zum Juden macht? Cohn-Bendit war weder Mitglied einer jüdischen Gemeinde, noch ist er ein Synagogengänger.

Viele Gespräche mit der Familie und seiner Frau haben ihn schließlich dazu bewegt, sich mit der eigenen jüdischen Identität auseinanderzusetzen und diese anzunehmen: Ja, ich bin Jude und mein Jüdischsein prägt mich! „Dany“ Cohn-Bendit begibt sich im Film von Niko Apel auf die Suche nach

Dany Cohn-Bendits Eltern waren deutsche Juden. Sie flohen vor den Nazis 1933 nach Frankreich. Nach der Besetzung durch die Deutschen tauchten die Cohn-Bendits 1940 in Frankreich unter.

Im Mai 1968 sollte er dann, inzwischen Vollwaise, als charismatischer Sprecher der französischen Jugend berühmt werden. Um nur wenig später unter antisemitischem und nationalistischem Getöse aus Frankreich in die Bundesrepublik abgeschoben zu werden. Dort schloss sich Cohn-Bendit dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) an, war Sponti und wurde später ein prominenter Grüner.

Veranstalter: Hannah Arendt Preis für politisches Denken, Heinrich Böll Stiftung und das Institut Français

 

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Jill Lepore ist Hannah-Arendt-Preisträgerin für politisches Denken 2021

 

Am Freitag, den 3. Dezember 2021 um 18:00 überreichen der Vorstand des „Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken e.V.“, der Bremer Senat und die Heinrich-Böll-Stiftung den „Hannah Arendt-Preis für politisches Denken 2021“ im Bremer Rathaus an die amerikanische Historikerin Jill Lepore.

Die Jury würdigt Jill Lepore als herausragende Wissenschaftlerin, die es vermag, die amerikanische Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen und zu beleuchten. Jill Lepore präsentiert die Geschichte der Vereinigten Staaten nicht einseitig als eine Geschichte mächtiger Regierungen, die zu jeweils verschiedenen Zeiten über die BürgerInnen herrschen, Kriege führen oder politische Ideen vertreten; sondern als eine Geschichte von Konflikten und Dynamiken zwischen diversen Gruppen und Fraktionen, z.B. den Engländern, anderen Kolonialmächten, den versklavten Menschen, Frauen, den verschiedenen ethnischen Gruppen der Siedler, politischen Eliten etc. pp.

Eindrucksvoll und sehr anschaulich legt Jill Lepore dar, wie alle Beteiligten mit ihren unterschiedlichen Interessen und Wünschen sich in einem Fluss von Eventualitäten befinden; wie sich Individuen und Gruppierungen freiwillig und unfreiwillig in politische Kämpfe verstricken, wie wirtschaftliche Interessen und politische Bestrebungen mit politischen Vorstellungen kollidieren – und wie die Abschaffung der Sklaverei das maßgebliche und zugleich trennende Element der amerikanischen Geschichte ist. Überdies zeigt Jill Lepore auf, inwiefern die Nachwirkungen der Amerikanischen Revolution die amerikanische Politik bis heute beeinflussen.

Nach der Überzeugung der Jury gelingt es der Historikerin Jill Lepore eine politische und ganzheitliche Darstellung der amerikanischen Geschichte zu präsentieren; nicht etwa, um gleichsam „Mastermind-Urteile über das Vergangene zu fällen, sondern um die Gegenwart für eine breite Öffentlichkeit verständlicher werden zu lassen“.

Jill Lepore ist Hochschullehrerin für Geschichte an der University of Harvard und Essayistin.

Der Hannah-Arendt-Preis wird von der Stadt Bremen und der Heinrich-Böll-Stiftung vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird an Personen verliehen, die mit einer mutigen Intervention das „Wagnis Öffentlichkeit“ annehmen.

Foto:

Jill Lepore is the David Woods Kemper ’41 Professor of American History at Harvard University. She is pictured along the gates of Harvard Yard. Stephanie Mitchell/Harvard Staff Photographer

Photo Credit: Stephanie Mitchell/Harvard University

 

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